Corona-Pandemie und Freiraumplanung

Beitrag von Stefanie Hennecke

Die Pandemie fordert unser Nachdenken über Freiräume, Freiraumnutzung und Freiraumplanung in besonderer Weise heraus. In einschränkender aber in Einzelbeispielen auch in ermöglichender Hinsicht sind über Nacht den Freiraum betreffende Maßnahmen umgesetzt geworden, wie sie bis vor kurzem noch undenkbar waren. Unser Leben ist erstaunlich schnell sehr anders geworden: bedroht, vereinzelt, begrenzt. Selbstverständlichkeiten werden in Frage gestellt, Ideen aus der Vergangenheit werden neu diskutiert, Ideologien und Vorurteile werden sichtbar, Utopisches und Dystopisches wird real gelebt:

  • Die Unterscheidung von öffentlich oder privat nutzbarem Raum erhält eine neue Relevanz. 
  • Täglich wird neu definiert, was in welchen Freiräumen erlaubt ist und was nicht, was sich darüber hinaus schickt und was nicht.
  • Die Frage der Umweltgerechtigkeit, also nach dem gleichberechtigten Zugang zu Räumen, stellt sich in unmittelbarer Form neu: wer Zugang zu privatem Freiraum und zu privaten Verkehrsmitteln hat, ist in der Zeit der Pandemie sicherer vor Infektionen, bzw. wer dies nicht hat, muss sich einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen. 
  • Die Aufteilung des öffentlich nutzbaren Raums wird auf dem täglichen Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen nach der Maßeinheit aktueller Distanzregeln neu vermessen. 
  • Körperliche Distanz und territoriale Grenzen werden nun positiv als „schützend“ wahrgenommen. Üblicherweise anhand von Grenzen und Distanz thematisierte Aspekte der „Vereinzelung“, „Desintegration“ oder „Ausschließung“ treten hingegen in den Hintergrund. 
  • Es entstehen neue Formen der Aneignung des öffentlichen Raumes, z. B. akustisch durch Klatschen, Singen und Musizieren von den Balkonen oder Fenstern aus.
  • Funktionen und Nutzungen, die bisher als typisch für den öffentlichen Raum gelten, werden in das Digitale verlagert (z.B. Online-Demonstrationen).

In unserem Fachgebietsblog werden wir in den kommenden Wochen einzelne dieser Veränderungen diskutieren und darüber nachdenken, welche Schlaglichter die Coronakrise auf die Freiraumplanung wirft. So können wir auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Freiraumplanung unter „Normalbedingungen“ besser verstehen.