Wie notwendig ist die Straße als analoger Freiraum?

Der Sonderforschungsbereich der DFG „Re-Figuration von Räumen“ erforscht in Berlin unter anderem die Bedeutung der Straße als Sozialraum in dem Teilprojekt „Die Welt in meiner Straße: Ressourcen und Netzwerke von Stadtbewohner/-innen“ von Talja Blokland, Daniela Krüger und Robert Vief. In ihrem auch im Kontext der Freiraumplanung sehr lesenswerten SFB-Blogbeitrag haben sie ihre bisherigen Forschungsergebnisse im Kontext des Corona-Lockdowns reflektiert: „Nur weil wir es tun müssen, heißt das nicht, dass es richtig ist: warum #stayathome nicht zu einem moralischen Imperativ und soziale Isolation nicht zu einer Gewöhnung werden sollte

Freiraumnutzung durch Obdachlose in der Krise

Beitrag von Stefanie Hennecke

Anknüpfend an den Bericht zu den Zu-Verschenken-Kisten zeigt die folgende Foto-Galerie einen sogenannten „Gabenzaun“ in Berlin Schöneberg. Hier können Kleidung, Gegenstände und Lebensmittel für Obdachlose deponiert und von diesen mitgenommen werden. Von diesen Gabenzäunen gibt es zahlreiche in ganz Berlin, wie der Blog Notes of Berlin berichtet.

Berliner Gabenzaun (Fotos 26.4.2020: Stefanie Hennecke)

Die Obdachlosen durften sich in vielen Ländern in der Anfangsphase der Corona-Krise ebenso wie alle anderen nicht mehr im öffentlichen Freiraum aufhalten. Aus Frankreich wurde berichtet, dass Bußgelder an Obdachlose verteilt wurden noch bevor Turnhallen und leer stehende Hotels für sie geöffnet wurden (Westdeutsche Zeitung 20.3.2020), in Berlin wurden Obdachlose in eine Jugendherberge ohne die sonst üblichen Ostergäste einquartiert. (Pressemeldung Berlin.de vom 23.4.2020) Las Vegas hingegen nutzte die Markierungen eines offenen Parkdecks, um ein Obdachlosenasyl unter Einhaltung der Abstandsregeln einzurichten und erzeugte damit dystopische Bilder der Verregelung des Informellen (The Guardian am 31.3.2020).