Abstandsregeln 1: Neue Fahrradwege zur Vermeidung von Ansteckung

Beitrag von Stefanie Hennecke

In den letzten Jahren fanden viele Aktivitäten zur Förderung des Fuß- und Fahrradverkehrs in Deutschland aber auch weltweit statt. Im Jahr 2016 war in Berlin ein Volksentscheid zur Förderung des Fahrradverkehrs, der so genannte Radentscheid erfolgreich. Im Juni 2018 verabschiedete das Land Berlin das erste Radverkehrs- und Mobilitätsgesetz in Deutschland. Dem erfolgreichen Radentscheid folgten zahlreiche Initiativen in anderen Kommunen in Deutschland, auch in Kassel.

Diesen Initiativen geht es um eine Umverteilung des ausschließlich für den motorisierten Verkehr genutzten Straßenraums. Fahrrad- und Fußverkehr sollen mehr Raum erhalten. Für den ruhenden Verkehr und für die Fahrstreifen genutzte Flächen sollen dafür reduziert werden (Siehe z. B. Agora Verkehrswende: und deren kürzlich veröffentlichtes Infographik-Comic: „Abgefahren“

Mitten in diese Diskussionen und politischen Aktivitäten platzt nun die Corona-Pandemie und Kommunen weltweit ermöglichen in kürzester Zeit Schritte, die zuvor noch in unendlich weiter Ferne zu liegen schienen :

Aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá wird bereits am 18. März 2020 gemeldet, dass ergänzend zu den bereits bestehenden 550 Kilometern Fahrradwegen nun wegen der Covid-19-Pandemie weitere 117 Kilometer an temporären Fahrradwegen eingerichtet werden, um eine gesunde, sichere und ansteckungsfreie Fortbewegung mit dem Fahrrad in der Stadt zu ermöglichen. (Davon berichtet der Weblog Zukunft Mobilität. Die Fahrradwege entstehen durch die Sperrung von Fahrspuren zwischen 6.00 und 19.30 Uhr.

Auch in Berlin wurden bereits am 25. März 2020 im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg testweise temporäre neue Fahrradstreifen eingerichtet (Vgl. die Berichterstattung des Vereins Changing Cities dazu). Nach einer erfolgreichen Testphase diskutieren nun alle Berliner Bezirke weitere Möglichkeiten für den kurzfristigen Ausbau der Fahrradinfrastruktur, was auf der Basis des Fahrradgesetzes rechtlich leichter umzusetzen ist. Und mehrere Petitionen und offene Briefe fordern in diesen Tagen bundesweit von der Politik (offener Brief IASS-Potsdam), den Kommunen (Petition Faire Straßen), oder dem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (Offener Brief Changing Cities) weitere Maßnahmen zum Ausbau von Fuß- und Radverkehr.

Die hinter diesen Initiativen stehende Argumentation führt an, dass die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ein Ansteckungsrisiko berge. Das Radfahren oder Zufußgehen fördere hingegen die Abwehrkräfte und die allgemeine Gesundheit. Das aber nur, wenn man sich sicher und angstfrei durch die Stadt bewegen könne und sich gegenseitig beim Warten an Ampeln oder während des Überholens nicht zu Nahe komme. Diese Argumente überzeugen offenbar auch die Kommunalpolitik, so dass es inzwischen auch in zahlreichen anderen Kommunen zu ähnlichen Aktivitäten gekommen ist, wie ein Newsletter des Vereins Changing Cities berichtet.

Durch die Berichterstattung über die Corona-Krise an den Rand der Wahrnehmung gerückt wurde übrigens die Verabschiedung der Novelle der Straßenverkehrsordnung in Deutschland am 23. März 2020. Neu sind jezt verbindliche Abstandsregeln für das Überholen von Fahrrädern im Straßenverkehr von 1,5 Metern innerorts und 2 Metern außerorts festgelegt worden, die auch in Nach-Coronazeiten noch gelten werden (Siehe BMVI).

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