Abstand oder: Das Gefühl für die Distanz

(Foto: Michael Strobl)

Gastbeitrag von Matthias Seidel

Sehr bald, nachdem die Sars-Cov-2-Pandemie Mitteleuropa erreicht hatte, wurde klar: Sich einander nicht zu nahe zu kommen, Abstand zu halten, ist eine der wenigen gesicherten Möglichkeiten, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Als räumliches Maß dafür hat sich in Deutschland eine Distanz von 1,50 m durchgesetzt. Empfohlen waren anfangs kurzzeitig auch 2 m, während gleichzeitig etwa in dem schwer getroffenen Italien wie auch in Österreich 1 m für ausreichend gehalten wurden. Doch hat man sich gesellschaftlich erst einmal auf ein Maß geeinigt, stellt sich tagtäglich die Frage der Umsetzung: Wie kann die Einhaltung dieser Abstandsregeln in der Praxis gelingen? Woran kann jede*r Einzelne sich denn orientieren, um das rechte Maß zu erreichen und dann zu halten? 

Diese Fragen haben mittlerweile insbesondere Ladenbesitzer, im Zuge der schrittweisen Wiederöffnung ihrer Geschäfte, mit Markierungen auf dem Boden beantwortet. Dabei wird jedoch entsprechend dieser spezifischen Situationen immer linear operiert: für eine Reihe von Menschen, die sich geduldig anstellen und dabei einander nicht zu nahe kommen sollen. Was aber ist in der Fläche? Und gar im Raum? 

Aus ganz eigenem Erleben drängten sich mir diese Fragen schon sehr bald auf. Denn trotz des Beginns des Lockdown in Deutschland konnte ich weiterhin einen Vorteil der Erdgeschosszone in Berliner Straßen nutzen – nämlich das Arbeiten am Rande des öffentlichen Raums, quasi auf dem Gehweg. Das hat in jahrelanger Praxis insgesamt zu ganz eigenen Erfahrungen geführt, ist nochmal deutlich anders als Home-Office auf dem eigenen Balkon [wie z. B. im Beitrag von Johanna Niesen zu diesem Blog vom 12. Mai 2020 erwähnt], und könnte an sich den Stoff für einen eigenen Text zu sozialer Kontaktaufnahme und Kontaktpflege aber auch zu Konflikten und Problemlagen des Zusammenlebens im städtischen Raum und Alltag hergeben. 

Für den hier relevanten aktuellen Zusammenhang aber ist die Beobachtung ausschlaggebend, die ich alltäglich vor meinem schon seit Anfang März geschlossenen Ladenlokal machen konnte: Eindeutig ist, dass es den Passant*innen an Erfahrungswerten für Distanzen schlicht fehlt. Kaum eine*r hatte ein „Gefühl“ dafür, was 1,50 m Abstand für räumliches Sich-begegnen tatsächlich bedeutet. Jede*r, der sich mit dem Rad bewegt, hat das leidvoll verinnerlicht, angesichts viel zu nah vorbeirasender PKW und LKW [wo mittlerweile innerorts 1,50 m Abstand vorgeschrieben sind, siehe die jüngste StVO Novelle]. Aber als Fußgänger*in waren solche Distanzgebote im bisherigen Leben gar nicht existent – und sind daher auch nicht erlernt oder eingeübt worden. In den vor Ort geführten Gesprächen mit Nachbar*innen oder Bekannten habe ich das eine oder andere Mal die jeweiligen Einschätzungen mithilfe eines Maßbands oder Zollstocks überprüft. Es ergab sich, dass die meisten 1,50 m wie 2 m empfanden, gemessene 2 m sogar eher wie deren 3…

So ist die Idee entstanden, eine Visualisierung in Form einer Urban Intervention mit minimalen Mitteln vor dem eigenen Arbeits- und Lebensraum anzulegen: Das „Social-Distancing-Grid“. Um eine Orientierung zu bieten, die in alle drei Raumdimensionen greift, wählte ich das Mittel des Rasters: Durch weiße Kreuze aus textilem Klebeband habe ich entlang der Ladenfront sowie in Richtung Bordstein jeweils das Maß von 1,50 m markiert, gemessen von Kreuzungspunkt zu Kreuzungspunkt. So sind 12 Felder [à jeweils 2,25 m²] entstanden. Zusätzlich habe ich das Raster an einer Stelle um ein Kreuz auf 1,50 m Höhe ergänzt. Die Möglichkeit dazu bietet sich an der Straßenlaterne: Sie hat genau 3 m Abstand von der Fassade, sodass sie einen Verweis auf die dritte Dimension passgenau aufnehmen kann. Das Maß auch in die Höhe abzutragen, ist im Umfeld von zu Fuß Gehenden in der Tat auch von Bedeutung: Denn es kommt eben nicht nur im Gespräch mit einem Gegenüber vor – quasi auf Augenhöhe – dass man z.B. feuchter ausspricht, als es einem lieb ist. Für den auf dem Sims des bodentiefen Schaufensters Sitzenden zählt auch, in welcher Höhe die verstärkt vorbeitrabenden [Neo-]Jogger*innen ihre diversen Tröpfchen und Aerosole unwillkürlich absondern. Es wird dabei klar: Der Unterschied von Sitz- zu Laufhöhe ist deutlich zu gering, hinsichtlich des empfohlenen Mindestabstands…

Wie in einer Plangrafik hätte ich nun die Maße auf dem Pflaster eintragen können, um das Verständnis und eine leichtere Zugänglichkeit zur Absicht des Rasterfelds bei den Vorbeigehenden zu fördern. Dabei hätte ich auch noch den Abstand von 2,12 m leicht zeigen können, diagonal von Punkt zu Punkt: Denn bei 1,50 m Seitenlänge ist das dann jener mathematisch leicht zu ermittelnde Abstand [1,5 x 1,41 (Wurzel aus 2) = 2,12]. Doch zugunsten einer weniger didaktischen und vielmehr auf dialogische Erklärungen ausgerichteten Herangehensweise habe ich darauf verzichtet. Zudem erzeugt das Rasterfeld ohne Beschriftung eine leicht rätselhafte Anmutung – und steigert dessen Wirkung eher noch. Nicht zu vergessen, dass sich so auch ein Verweis auf Inhalte ergibt, die es normalerweise hinter der Ladentür zu entdecken gibt: drj art projects ist ein Ausstellungsraum für konzeptuelle und minimale Kunst + Architektur.

So hat das Rasterfeld zudem auch eine perspektivische Funktion für künftige Ausstellungseröffnungen oder dergleichen: Bei Zusammenkünften kleiner bis mittelgroßer Gruppen von Besucher*innen werden sich alle, die sich dann im Freien versammeln, leicht vergegenwärtigen können, welchen Abstand einzuhalten eigentlich sinnvoll ist – selbst wenn das allgemeine Bewusstsein dafür im Alltag derzeit bereits wieder zu verschwinden scheint.

Neue Möglichkeiten 3

Am Freitag, den 5. Juni 2020 findet um 14.30 Uhr ein kostenfreies offenes Webinar zum Thema „Covid-19, Justice and Sustainability in Cities“. Die eineinhalbstündige Veranstaltung mit Vorträgen und Diskussion wird im Rahmen der „2nd UrbanA Arena Justice Challenges in Urban Sustainability“ vom 4. bis zum 5. Juni 2020, ausgerichtet vom Barcelona Lab for Environmental Justice and Sustainability, abgehalten. Man kann sich unter diesem Link dazu anmelden.

Stadttiere oder Tierstädte?

Gastbeitrag von Mieke Roscher

(Foto 19.5.2020: Mieke Roscher, Bremen)

Letztes Jahr hat unsere Vermieter den Hinterhof „hübsch“ gemacht, ein paar Zierbeete angelegt und vor allem einen kleinen Baum in die Mitte des Hofes gepflanzt. Dieses Frühjahr sind dort zwei dicke Tauben eingezogen, eigentlich viel zu schwer für das zarte Bäumchen, aber sie schätzen wohl, dass der Hof nicht oft genutzt wurde und der Vermieter in Berlin im Corona-Lockdown ausharrte. Der Vermieter, so viel sei verraten, war bei seiner Inspektion jetzt nicht mehr so begeistert. Rotkehlchen wären schön gewesen, hätten wahrscheinlich auch in sein ästhetisches Empfinden eines Bremer Hinterhofes gepasst, auch Meisen wären wohl eine Zierde gewesen, aber nicht Tauben. Dabei hatten die nur die Gelegenheit am Schopf gegriffen, einmal nicht verjagt zu werden und sich einen schönen Platz gesucht, 200 Meter Luftlinie zur Weser, Grünanlagen nebenan, Katzendichte überschaubar. Was will „Taube“ mehr.

So wie diese Tauben scheinen auch andere Tiere die Gunst der Stunde einer Menschenwelt in Quarantäne genutzt zu haben, um mehr oder weniger attraktive Orte aufzusuchen, zu erkunden oder gar zu besetzten, die für sie eigentlich nicht vorgesehen waren. Bilder von Bergziegen in walisischen Dörfern, die damit beschäftigt sind die Grünrabatten zu stutzen, Pumas, die in Santiago de Chile Parkhäuser erkunden, Coyoten, die die verlassen Straßen von San Francisco und Chicago auf der Suche nach Beute durchstreifen, machten die Runde.

Anders als unser Vermieter sind aber die meisten Menschen entzückt darüber, dass plötzlich Rehe, gar nicht mehr scheu, vor ihren Fenstern die Blumen abfressen oder freuen sich über Affen, die auf Thailands Straßen geradezu zügellos ihrem animalischen Wesen freien Lauf lassen . Sie werden nicht nur geduldet. Es scheint etwas Tröstendes darin zu liegen, dass wenigsten die Tiere noch ihren Spaß haben.

Vor gut 20 Jahren hatten die Kulturgeografen Chris Wilbert und Chris Philo von den sogenannten „Animal Spaces“ und „Beastly Places“ gesprochen und unter ersteren die den Tieren vom Menschen zugewiesenen Orte und Landschaften verstanden, also die Tierparks, die Weiden und Ställe, aber auch die Laboratorien und Schlachthäuser. Beastly Places sind hingegen jene Orte menschlicher Nutzung und Planung, die sich Tiere selbst aneignen.

Vor Corona waren die Posterchildren dieser Beastly Places wohl die von Wildschweinen in Berlin gründlich durchgegrabenen Vorgärten oder die von Waschbären in Kassel geräuberten Mülltonnen. Mit dem Lockdown, der in Deutschland natürlich nie ein solcher war, aber wir leben nun mal in einer globalen Welt und da wird gerne das Worst-case Vokabular übernommen, schien sich die ganze Welt in Beastly Places zu verwandeln. Zumindest suggerierten dies die Bilder, die aus den wirklich vom Lockdown betroffenen Gebieten über die Medien auf allen Kanälen zu uns kamen. Dass Tiere dabei die Ordnung des von Landschaftsgärtner*innen, Landschaftsarchitekt*innen und Hobbypflanzer*innen geplanten Ideals einer Menschenstadt mitunter sichtbar durcheinanderbrachten, wurde, außer von den unmittelbar Betroffenen, vor allem mit Amüsement, Heiterkeit und Wohlgefallen aufgenommen. „Das sind die Bilder, die wir momentan brauchen“, entfuhr es mehr als einmal Moderator*innen durchaus seriöser Nachrichtensendungen. Bilderstrecken gab es auch in vielen Zeitungen und Zeitschriften (etwa beim Guardian oder in National Geographic).

Solche Züge nahm die Vorstellung einer Welt an, die zwar aus den Fugen geraten zu sein scheint, aber in der immerhin die Tiere ihre Freude haben, dass bald gefälschte Bilder zirkulierten die vortäuschen sollten, dass nun endlich wieder Delfine in den Lagunen Venedigs zu sehen wären oder dass Elefanten in chinesischen Teeplantagen ihren Rausch ausschlafen würden. Schnell gab es offensichtliche Überzeichnungen, etwa die Darstellung von sogenannten Spreedelfinen.

Was hier zu beobachten ist, ist einerseits eine Hoffnungsnarrative, in der in der tierlichen Aneignung menschlicher Räume eine Rückkehr in eine normalere, natürlichere Zeit suggeriert wird, mit der der Corona-Pandemie also etwas Gutes abgewonnen werden soll, anderseits, und dass zeigen insbesondere die Überzeichnungen auf eine humorvolle Art und Weise, dass sich die Natur die von Menschen zu lange dominierte Welt zurückholen würde.

Diese Vorstellung ist natürlich nicht nur positiv beladen. Jede Menge Horror- und Apokalypsefilme beginnen genau mit so einem Szenario. Von Planet of the Apes zu 28 Days later oder I am Legend. Die Welt ist radikal von Menschen entvölkert, überlebt haben aber die Tiere, Halbwesen oder Zombies. In diesem Tabula Rasa-Bild, das nicht Neuanfang, sondern allenfalls totale Vernichtung suggeriert, die sich insbesondere in den Städten zeigt, die nur noch Ruinen sind, gibt es keinen Neuanfang, jedenfalls nicht für die Menschheit: Beastly Places in der Totale. Wie wichtig aber die Verquickung von Raum, Landschaften und Tieren für unsere Vorstellung von Welt ist, zeigt sich in beiden Bildern. Sowohl Ordnung wie Unordnung, Raumaneignung und -verlust lassen sich mit einem tierlichen Gegenüber besser erzählen. Hier in Bremen scheint zumindest vorübergehend wieder Ordnung eingezogen zu sein. Die Tauben haben sich jetzt, zur Freude des Vermieters, einen neuen Platz gesucht und in Nachbars Garten neues Domizil bezogen: In den Wipfeln eines Ahorns, außerhalb der Reichweite des Menschen – oder zumindest des Vermieters.

Literatur: Philo, Chris / Wilbert, Chris (2000): Animal Spaces, beastly Places: An introduction, in: Dies. (Hg.), Animal Spaces, Beastly Places: New geographies of human-animal relations, London, S. 1–34.

Die Corona-Geisterstädte

In der arte Reportage werden Metropolen im Lockdown dokumentiert. Das öffentliche Leben von vormals pulsierende Großstädten kommt aktuell fast vollständig zum Erliegen. Im Fokus der Betrachtung stehen Paris, New York, Venedig und London. Die Reportage entdeckt jedoch auch eine neue und entschleunigte Form von urbaner Schönheit, welche die Atmosphäre von leeren Gassen, ungenutzte Plätzen und stillen Kanälen einschließt.

Re: Die Corona-Geisterstädte
Metropolen im Lockdown


Ein ähnlicher Blick auf den erstarrten Freiraum von Berlin ist auch in diesem Beitrag zu finden.

Ein Stimmungsbild aus Christchurch in Neuseeland

(Foto: Andreas Wesener)

Ein Beitrag von Daniel Münderlein
(Fotos und Hintergrundinformationen wurden freundlicherweise von Andreas Wesener bereitgestellt)

Trotz seiner idyllischen Lage auf der Südinsel von Neuseeland ist die Stadt Christchurch mittlerweile erfahren im Umgang mit Krisensituationen. Bedingt durch tektonische Prozesse wurde Christchurch in der Vergangenheit durch verschiedene Erdbeben erschüttert, welche insbesondere in den Jahren 2010 und 2011 für dramatische stadtstrukturelle Veränderungen sorgten. Der ‚central business district‘ verlor in Folge der Naturkatastrophe um die 800 Gebäude und einige Bereiche der Stadt wurden zu ‚red zones‘ erklärt und aus Sicherheitsgründen vollständig aus der Nutzung genommen. Diese Beschädigungen sowie die Maßnahmen zur Krisenbewältigung resultierten in einem unmittelbaren Verlust von urbaner Qualität sowie einem Gefühl von Leere. Für Christchurch wurde so die Dystopie einer Stadt ohne Stadtzentrum konkrete Realität.

„The feeling of emptiness is overwhelming”

(Wesener 2015, S.2)

Im Umgang mit dieser traumatischen Situation fiel den städtischen Freiräumen rasch eine besondere Bedeutung zu. Improvisierte Aneignungsprozesse, Streetart, temporärer Urbanismus, Pop-up Urbanism sowie organisierte Zwischennutzungen wie Tanzflächen und Gemeinschaftsgärten wurden rasch wichtige Bestandteile einer informellen Krisenbewältigungsstrategie, welche aus der Zivilbevölkerung initiiert wurden und stadtübergreifende Strahlkraft erlangten. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich diesen Post-Earthquake Phänomenen im Kontext von Resilienzforschung verbunden mit der Frage nach der Widerstandsfähigkeit von Städten und urbanen Gemeinschaften.  Soziale Netzwerke sowie dem Stiften von Sinn durch kollaborative Praktiken und Aneignungsprozesse im Freiraum scheint eine besondere Bedeutung zuzufallen.

Die aktuelle COVID-19 Pandemie in Christchurch reiht sich vor diesem Hintergrund in eine Reihe von Krisensituationen ein und bietet Anschlussfähigkeit an Diskurse, welche städtische Nähe und Dichte kritisch hinterfragen. Zum einen ist stadträumliche Dichte eine Voraussetzung für soziale Interaktionen aber zum anderen erscheint sie im Kontext mit Erdbeben und Pandemien als Risikofaktor. Christchurch orientiert sich in der Krisenbewältigung an dem Motto ‚being together but apart‘ und die Regierung initiierte im Umgang mit COVID-19 einen strickten ‚lock down‘. Neuseeland ist auf Grund seiner isolierten Lage sowie den einzigartigen Ökosystemen besonders empfindlich gegenüber importierten Krankheitserregern oder Viren. Die Regierung handelte unverzüglich und erließ im März ein umfassendes Reiseembargo, welches internationalen Flugverkehr sowie nationales Reisen innerhalb des Landes unterband.  Weiterhin wurden zahlreiche Infektionstests durchgeführt, um ein detailliertes Bild der räumlichen Verteilung der Pandemie zu gewinnen. Die Maßnahmen erweisen sich momentan als effizient und die Infektionszahlen scheinen unter Kontrolle. Über die zukünftige Entwicklung von COIVD-19 sowie die Auswirkungen auf Stadt- und Freiraumplanung wird weiterhin intensiv diskutiert.

(Fotos: Andreas Wesener)

Ithaca, NY, May 14th

Gastbeitrag von David Yearsley

Ithaca, NY (Foto 14. Mai 2020: David Yearsley)

I’ve always thought basketball the most American of sports. Baseball purports to be the “national pastime,” but it is similar to English cricket, indeed, likely derived from it—though sporting patriots contest the claim. Baseball conjures the American agrarian idyll with its grass field (now often artificial) and a pace of play beyond the tyranny of time: the length of the game is not dictated by a clock but goes on until the last player has had his chance. The longest major league game went for more than eight hours.

As the most violent of team sports, football might also seem to draw on forces fundamentally “American.” Its ideology is territorial, militaristic. The Market has weighed in the matter, too: the sport has the most fans, and its professional league is the most lucrative in the world.

But drive across the United States and you’ll see more basketball being played than football, baseball, or soccer. Basketball is the most popular kids sport.

James Naismith, a Canadian transplant to the USA, invented basketball in a YMCA in Springfield, Massachusetts. A physical educator of Christian stamp, Naismith had been charged with devising an activity that would keep unruly kids fit and organized in the harsh winter months. The game should be safe but exertive, communal yet competitive.  Naismith’s most brilliant innovation was to conceive of a goal that could not be directly defended. Instead, he suspended the goal—a wooden fruit basket—out of reach above the heads of the players.  The first game was played under his direction in December of 1891.

In a gym, basketball takes place on hardwood floors, but, weather permitting, it is played outdoors on asphalt. Every schoolyard in the country has an outdoor court that is open even when the school and its gym aren’t.  At these public courts or at your driveway basket you can shoot around by yourself, and if you can find another person you’ve got a game of one-on-one.  It is a more democratic game than baseball: basketball requires less real estate, less equipment, is more accessible. Even if basketball evokes mythic heartland images of a kid on an Indiana farmstead shooting at a basket pegged to a pole, it thrives as an urban game.

Much is made of the importance of jumping in basketball. The soaring heroics of Michael Jordan long ago became a global brand. But mastery with the hands is more important: dribbling, shooting, and—crucially—passing.  That is its crucial difference with what the Americans call soccer:  that global game’s genius derives from (almost completely) denying its players the use of those quintessentially human attributes—hands with opposable thumbs.

Passing has become an ominous word during the pandemic, describing as it does not just communication of a ball but of the virus. Passing a basketball can do both. Thus NBA players were the first to be tested rigorously for Covid-19 in the United States; their special access to these medical services did not go unremarked.

American basketball became a world game long ago. It entered the Olympics in 1936. European, African, and Asian players now join the NBA in ever greater numbers.  In a few years Dirk Nowitzki will be the first German inductee into the Naismith Basketball Hall of Fame in Springfield, Massachusetts.

Cornell University in Ithaca, New York is 400 kilometers directly west from Springfield.  Spread across a bluff overlooking a long, deep lake, the campus has many indoor and outdoor basketball courts.

On Friday, March 13th the university sent its students home.  Many did not have to go extremely far, returning to their families in affluent districts in and around New York City and elsewhere on the Atlantic seaboard. Not all Cornell students come from wealthy backgrounds; there is financial aid for those of limited means. But many pay the full cost, which now runs to around $70,000 per year.

As at universities in Europe and elsewhere in North America, an increasing number of students come from the People’s Republic of China.  Most of them could not get back to China in March and remained in campus dormitories.

Basketball is claimed by many to be the most popular sport in China (and not just by marketers eager to exploit more fully the Chinese market). Kobe Bryant was the most celebrated athlete in the country, and the NBA its most popular professional league. There has been a Chinese league of twenty teams (the CBA) for 25  years, and China has sent a handful of players to the NBA. Americans go to play in China, too. Kenneth Faried, formerly of the Houston Rockets, signed a deal for $4.4 million with the Zhenjiang Lions this past November.

I live in a neighborhood just below the university. When there’s a basketball game going on at the outdoor court on the edge of the campus, I can just about hear the sound of shouting and dribbling—especially when there is no traffic noise, as now during the lockdown. As of March 13th all the university gymnasiums were shut to students, but not the outdoor courts.

Cooped up in their dorms, the Chinese students came out to play. The Upstate New York weather in March was mostly warm and clear. Winter did eventually return: it snowed in Ithaca just last week. But after the shutdown there were plenty of chances for outdoor basketball.

On my afternoon walks I would stop and watch the Chinese play. Many were pretty good, and the games seemed to have enjoyable flow and energy. Occasionally I thought about joining in, but there was the social distancing order, not to mention my old knees.  

These pick-up games continued through March.

At his daily pandemic briefing on April 1st, New York Governor Andrew Cuomo addressed the problem: „I’ve talked about this for weeks. I warned people that if they didn’t stop the density and the games in the playgrounds—you can’t play basketball; you can’t come in contact with each other—that we would close the playgrounds.“ New York City playgrounds were closed that same day.

By early April it was widely being reported that the virus had shut down regular pick-up games across the country, many states less vigorous in their quarantine measures than New York. 

At Cornell red warning tape went up around the courts, but even this did little to discourage the student players from having full-court games or from forming smaller groups at one of the two baskets at either end of the court.

As I walked by the court a few weeks ago I noticed that the metal rims had been removed from the backboards. Clearly a directive from the university administration had come down to dismantle the possibility of having a game. But that afternoon a young Chinese man and two Chinese women were playing nonetheless. They were having a great time: passing, dribbling, shooting up at the basket-less backboard. One had to assume that they had formed a social group throughout the lockdown, so what was the harm in having fun on an otherwise empty court?

I watched them from afar, captivated by their joy in basketball without a basket—a long way from home playing a game without a goal.

Balkonien 2

Beitrag von Stefanie Hennecke

Der Balkon ist jetzt auch ein wichtiger Ort des nachbarschaftlichen Austausches geworden. Neben den Gesprächen von Balkon zu Balkon und vom Balkon zur Straße, die den Sicherheitsabstand garantieren, hat sich in Berlin in manchen Häusern das gemeinsame Beifallklatschen für die Beschäftigten im Gesundheitswesen um 19.00 Uhr als Ritual etabliert.

Hörprobe vom 25.4.2020, 19.01 Uhr

Im Internet findet man zahlreiche Filme zu Balkonflashmobs besonders aus Italien, in denen über die Balkone hinweg gemeinsam gesungen und musiziert wird oder wo die Nachbar*innen mit Gläsern, die an Bambusstangen befestigt werden, miteinander anstoßen.

In Berlin Schöneberg hat sich ein Balkon-Nachbarschaftskonzert schnell zu einem täglichen frühabendlichen Partyereignis mit wachsendem Publikum auf der Straße entwickelt. Es wurde aus Rücksichtnahme auf das Abstandsgebot ebenso schnell wieder eingestellt.

Freiraumnutzung durch Obdachlose in der Krise

Beitrag von Stefanie Hennecke

Anknüpfend an den Bericht zu den Zu-Verschenken-Kisten zeigt die folgende Foto-Galerie einen sogenannten „Gabenzaun“ in Berlin Schöneberg. Hier können Kleidung, Gegenstände und Lebensmittel für Obdachlose deponiert und von diesen mitgenommen werden. Von diesen Gabenzäunen gibt es zahlreiche in ganz Berlin, wie der Blog Notes of Berlin berichtet.

Berliner Gabenzaun (Fotos 26.4.2020: Stefanie Hennecke)

Die Obdachlosen durften sich in vielen Ländern in der Anfangsphase der Corona-Krise ebenso wie alle anderen nicht mehr im öffentlichen Freiraum aufhalten. Aus Frankreich wurde berichtet, dass Bußgelder an Obdachlose verteilt wurden noch bevor Turnhallen und leer stehende Hotels für sie geöffnet wurden (Westdeutsche Zeitung 20.3.2020), in Berlin wurden Obdachlose in eine Jugendherberge ohne die sonst üblichen Ostergäste einquartiert. (Pressemeldung Berlin.de vom 23.4.2020) Las Vegas hingegen nutzte die Markierungen eines offenen Parkdecks, um ein Obdachlosenasyl unter Einhaltung der Abstandsregeln einzurichten und erzeugte damit dystopische Bilder der Verregelung des Informellen (The Guardian am 31.3.2020).

Zu-Verschenken-Kästen

Zu-Verschenken-Kasten (Foto: Johanna Niesen)

Beitrag von Johanna Niesen

Schon seit einiger Zeit fotografiere ich „Zu-Verschenken-Kästen“ also Kisten – meist Pappkartons, die auf den Gehweg vor das Haus gestellt werden und in denen sich ein Sammelsurium an aussortierten Gegenständen befindet. Schon vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie stolperte ich gelegentlich darüber – aber seit viele Menschen vermehrt Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen, scheint die Tätigkeit des Aussortierens stark gestiegen. Auf nur einem Spaziergang um den Häuserblock in Göttingen treffe ich viele solcher Kiste an. Die Gegenstände in den Kisten sind anscheinend aus Sicht des Schenkenden zu schade zum Wegwerfen, aber sie haben selbst keine Verwendung mehr dafür. Hier findet man alltägliche Gegenstände wie Kleidungsstücke, Küchenutensilien, Bücher, mal steht aber auch ein Bügelbrett neben dem Karton, mal ein Schreibtischstuhl oder ein Wisch-Mob. Diese Auswahl an Dingen gibt einen Einblick in den Alltag der Menschen, die ihre Wohnungen aufräumen und aussortieren, sie zeigt, in welcher Lebensphase sie sich befinden, – die Kinder werden größer, es gibt neue Küchenutensilien, so dass die alten weichen müssen. Es ist im Prinzip ein kontaktloser, kostenloser Flohmarkt bei dem Gebende und Nehmende unsichtbar bleiben. Geht man einige Stunden später die gleiche Route, ist die Auswahl der Gegenstände in den Kartons schon eingeschränkter, einige Kartons sind leer, aber vielleicht ist ein neuer Karton dazu gekommen.

(Fotos April 2020: Johanna Niesen, Göttingen)

Aus der Sicht der Forschung zur Freiraumplanung zeigt sich hier eine informelle Aneignung des öffentlich zugänglichen Freiraums, die in der Planung meist nicht mitgedacht wird. Breite und gut frequentierte Bürgersteige der Gründerzeitstadt bieten eine gute Plattform für diese asynchronen Flohmärkte, die darauf angewiesen sind, das Geben und Nehmen in kurzer Zeitfolge stattfinden, bevor der Regen die Gegenstände durchnässt. Zäune bieten eine gute Möglichkeit der Präsentation des Angebotenen oder von Informationszetteln dazu.

Neue Möglichkeiten 2

Beitrag von Stefanie Hennecke

Ich möchte auf eine weitere Veranstaltung hinweisen, die für die Freiraumplanung interessant ist und an der man nun kostenfrei über das Internet teilnehmen kann:

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden veranstaltet am 11.6.2020 einen ganztägigen Workshop zum Thema „Naturschutz in Zeiten sozial-ökologischer Transformationen: Triebkraft oder Getriebener?“ als Videokonferenz (Link zu Programm und Anmeldung bis 29.5.2020)