1,5 Meter-Design

Über Begegnungen, Distanz und deren Gestaltung

Gastbeitrag von Raamwerk – Studio für Kunst,Sozial, Kommerz

Britta Wagemann, Jero van Nieuwkoop, Marie-Sophie Kammler & Samson Kirschning

Distanz und Gestaltung

Werner, 75 Jahre alt, kauft zum ersten Mal seit langer Zeit wieder selbst ein. Trotz Einkaufshilfe will er endlich mal wieder selbst im Supermarkt herumstöbern. Ein bisschen schüchtern und angespannt betritt er den Laden. Joghurt, Obst und vielleicht mal ein Bierchen heute Abend? Während er nachdenklich mit seinem Einkaufswagen vor dem Regal steht, greift ein anderer Besucher nach ein paar Bier, direkt an Werner vorbei. Gerade als der Mann die Flaschen greift, fängt er auch noch an zu husten. In den Ellenbogen zu husten geht anscheinend nicht. Der verängstigte Werner, der bereits Lungenprobleme hat, ist frustriert. Er fängt an zu schimpfen: „Eineinhalb Meter! Wie schwierig kann es sein.“

Der Frühling 2020 zeichnet ein merkwürdiges Bild: Die Menschen schleichen umeinander herum und geben sich (mal mehr oder weniger) Mühe, die wegen der Virus-Pandemie gebotenen 1,5 Meter Abstand einzuhalten. Gar nicht so einfach. Ob im Supermarkt oder auf der Straße, plötzlich finden wir uns in einem permanenten Prozess des Abwägens wieder. Wie viel sind eigentlich 1,5 Meter? Plötzlich spielen die Selbst- und Raumwahrnehmung eine verstärkte Rolle und was vor Kurzem noch eine Sache der Höflichkeit war, ist heute taktlos – sogar gefährlich. Mit dieser veränderten Situation umzugehen fordert uns alle. Empathie und Geduld sind notwendig. Unsere Motivation bestimmte Auflagen streng einzuhalten, war zu Beginn der Ausnahmesituation überwiegend hoch, aber nach und nach erschlafft sie sichtlich. Wie bei einem Muskel folgt auf die außerordentliche Anspannung unweigerlich eine Entspannung, hier die beginnenden “Lockerungen” der Ausgangsbeschränkungen.

Und nicht zuletzt wird deutlich: Die Distanzgebote sind auch eine Frage der Gestaltung. Ähnlich wie sich Wasser seinen Weg vorbei an Hindernissen sucht, sprudelt die menschliche Kreativität durch die vorgegebenen Einschränkungen. Es ist beeindruckend: Im privaten wie im öffentlichen Raum wird improvisiert wie lange nicht mehr. Der öffentliche Raum, der unser (Zusammen-) Leben ebenso prägt wie er durch soziale Regeln geprägt wird, muss plötzlich angepasst werden: In vielen Supermärkten mahnen Abstands-Streifen auf dem Boden zu Vorsicht und Distanz. Niemand darf den Laden ohne Einkaufswagen betreten, um ohne Nachdenken zu müssen auf Abstand zu bleiben. Und in jedem Moment, in dem wir die Distanz doch nicht einhalten können, werden wir durch Plastikscheiben getrennt. Fast liebevoll und menschlich wirken die selbstgebauten, provisorischen Konstruktionen um Kassen und Theken. Sie sind gebaut um zu schützen und beißen sich gleichzeitig mit der Ästhetik des einheitlichen und meist biederen Designs des Ladens. Wir stellen fest, dass Kreativität und Gestaltungswille durch besondere Situationen, besonders herausgefordert sind, neue Lösungen zu entwickeln. Den gesetzlichen Beschränkungen in Zeiten der Pandemie wird mit kreativem Pragmatismus und ad-hoc Gestaltung begegnet, durch die unser gewohntes Umfeld neue Impulse und Formen bekommt.

Raamwerk gestaltet Begegnungen

Auch Raamwerk, als selbsterklärtes “Studio für Kunst, Sozial, Kommerz”, hat die Corona- Zeit als mögliches Experimentierfeld für die Neugestaltung bestimmter Aspekte in der Gestaltung des öffentlichen Raums direkt angenommen. Kreiert wurde eine Reihe von gestalterischen Interventionen, um unsere Selbstwahrnehmung wie auch unser Raumgefühl im Zusammenleben ganz bewusst zu erleben und zum Neudenken anzuregen.

Die Händchenhaltverlängerung

(Foto: Studio Raamwerk)

Wir brauchen Kontakt, und 1,5 Meter Abstand zu halten ist schwer. Wieviel sind eigentlich 1,5 Meter und inwieweit sind wir selbst und der öffentliche Raum überhaupt dazu in der Lage diesen Abstand konstant einzuhalten? Wie verändert das unsere Begegnungen und was, wenn wir einer Person eigentlich nah sein möchten? Diese und weitere Fragen, konnten Passant*innen bereits zu Beginn der Pandemie selbst ausprobieren. Die 1,5 Meter langen und rosaroten Rundhölzer wurden von Raamwerk an bestimmten Stellen im öffentlichen Raum positioniert und verliehen. Durch die Händchenhaltverlängerung haben Menschen die Möglichkeit miteinander spazieren zu gehen ohne einander direkt an der Hand zu halten. Den Abstand derart plastisch zu sehen, war für viele Passant*innen irritierend, sorgte aber gleichzeitig für schöne Begegnungen, zwischenmenschliche Interaktion und inspirierte den gesehenen Abstand nachzuahmen – im Park, im Supermarkt oder in der Straßenbahn.

Die Corona-Kabine aka Spuckschutz

(Foto: Studio Raamwerk)

Wir wollen Begegnungen, wollen uns näher sein als im Videocall. Mit der Corona-Kabine macht Raamwerk eine Not zur Tugend und schafft ein neues Begegnungsmöbel. Der rollbare Tisch ist durch große Fensterscheiben in Viertel unterteilt und bietet den Benutzer*innen die Möglichkeit zusammen an einem Tisch zu sitzen und sich auszutauschen, zu arbeiten oder zu essen. So wurde das Möbelstück unter anderem für die Aufnahme eines Podcasts zu dem diesjährigen, alternativ gestalteten MADE Festival eingesetzt. Während die Händchenhaltverlängerung als universelles und schnelles Vermittlungswerkzeug benutzt wird, bietet die Corona-Kabine die Möglichkeit sich in geschütztem Rahmen länger und tiefer inhaltlich auszutauschen. Die Mobilität des Begegnungsmöbels ermöglicht es, dieses Setting schnell und unkompliziert herzustellen. Wo auch immer man die Kabine aufstellt, ist ein Rahmen geschaffen, um unkonventionelle Begegnungen zu ermöglichen, sowie Raamwerk es gerne macht. Sicher aber nah und natürlich immer rosarot.

Das Freiluft-Experiment

(Abbildung: Studio Raamwerk)

Ein aufgrund der Kontaktbeschränkungen auf nächstes Jahr verschobenes Raamwerk-Projekt ist das großangelegte Freiluftexperiment zur Gestaltung des öffentlichen Raumes in der Kasseler Innenstadt. Hier ist der untere Teil der städtischen Fußgängerzone, der gleichzeitig die Transitzone zwischen Innenstadt und Hauptcampus der Universität bildet, für den motorisierten Durchgangsverkehr befahrbar. Während der obere Teil eben jener Straße frisch neu gestaltet und mit großen Boulevards zum Flanieren ausgestattet wurde, müssen sich Passant*innen, Kund*innen der vielen internationalen Lebensmittelgeschäfte und Studierende hier auf den viel zu engen Gehwegen dicht an dicht drängen. Ausgehend von dieser Beobachtung hat Raamwerk ein Netzwerk ins Leben gerufen, um den öffentlichen Raum, der hier exemplarisch für viele ähnliche Ecken der Stadt steht, in ein Freiluft-Experiment auf Zeit zu transformieren. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen soll hier gemeinsam ausprobiert werden, wie sich die Qualität des Ortes verändern würde, wenn auch die Fahrbahnen als Aufenthaltsort für Fußgänger*innen mit bespielt werden dürfte. Und gerade die Corona-Zeit macht die bestehenden vielfältigen Problematiken noch einmal deutlicher. 1,5 Meter Abstand sind auf den Gehwegen nicht einzuhalten und die Fragen werden lauter: Vielerorts werden die Forderungen nach mehr Platz für Fußgänger*innen gestellt. Sollte das Konzept “Gehweg” nicht vielleicht grundsätzlich überdacht und zu Shared Space Mischnutzungen der Straße übergegangen werden, wie sie in unterschiedlicher Form auch schon vor der Einführung des Autos existierten? Die aktuell stark diskutierten Formen der Mischnutzung haben den gemeinsamen Grundgedanken, die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer*innen gleichberechtigt koexistieren zu lassen. Dies wiederum erfordert eine entsprechende Selbst- und Raumwahrnehmung, ein Bewusstsein für mich und andere. In der Schweiz spricht man hier von sogenannten Begegnungszonen.

Raamwerk fasst den Begriff der Begegnungszone für das Freiluft-Experiment weiter, als nur in Bezug auf Verkehrsteilnehmer*innen und bildet den kreativen Knotenpunkt, der Partner*innen aus der Stadtverwaltung, lokale Gewerbetreibende, die Universität sowie soziokulturelle Akteur*innen der Stadt miteinander vernetzt. Die gestalterische Aufgabe besteht für Raamwerk hier im Sichtbarmachen bestehender Schwierigkeiten, in der Vermittlung von Themen und Anliegen der unterschiedlichen Akteur*innen und der Gestaltung von neuen Begegnungen.

Timing ist alles – und der richtige Zeitpunkt ist jetzt!

Kontakt mit fremden Lebenswirklichkeiten schafft Empathie und ist ein erster Schritt, um zu reflektieren und zu verstehen wie wir mit Veränderung umgehen müssen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben und timing ist alles: Es ist Zeit, unser Umfeld (und damit auch unsere Städte) revolutionär anders zu nutzen und zu gestalten. Das wird gerade mehr als deutlich.

Um den Grundriss und die Funktionen der Stadt neu zu denken, ist es wichtig sicherzustellen, dass Bürger*innen der Stadt auch als solche verstanden werden und nicht allein als Konsument*innen. Die Schwierigkeit besteht schließlich nicht darin neue Ideen zu entwickeln, sondern vielmehr darin, den alten zu entkommen. Deshalb ist es wichtig, heute die Weichen für einen gesunden und nachhaltigen systemischen Wandel zu stellen und auf unterschiedlichen Ebenen anzugehen. Stadtgestaltung sollte in erster Linie (wieder) zugunsten des menschlichen, kulturellen und sozialen Miteinanders geplant werden. Das Wohlbefinden der Bürger*innen und ein umweltfreundliches, nachhaltiges Handeln müssen dabei im Zentrum stehen.

Die Fragen, denen wir uns dabei zu stellen haben, sind weitreichend und erfordern Mut. Angefangen mit der Frage danach, wie Mobilität und ein sozialerer öffentlicher Raum miteinander einhergehen können, über die wahrgemachte Einbeziehung von Bürger*innen in den Planungsprozess, bis hin zur “Demokratisierung der Straße”. Neugestaltungen aus einer anderen Perspektive umzusetzen, würde bedeuten weniger Platz für Autos und mehr Platz für andere Verkehrsteilnehmende einzuplanen. Neubauprojekte würden z. B. aus der Sicht von Radfahrer*innen oder Fußgänger*innen geplant werden. Es würde aus Sicht von Bürger*innen, zusammen mit Bürger*innen gestaltet, statt Gestaltung von oben herab umzusetzen. Der Ansatz, den Raamwerk und andere Initiativen in der Stadtplanung bereits verfolgen, arbeitet damit, kleinste Eingriffe einfach umzusetzen und so die Motive zum Neudenken bewusster und greifbarer zu machen. Planung und Gestaltung können von den Erfahrungen regelmäßiger Trial-and-Error-Prozesse viel lernen und es entstehen passendere Projekte für die Bürger*innen.

Selbst Lust es mal auszuprobieren? Hier ein paar Anhaltspunkte: Parkplätze umnutzen. Straßen für motorisierten Verkehr sperren. Anreize schaffen, für Bürger*innen, die das Auto stehen lassen. Mehr autofreie Tage.Mehr Straßenfeste. Kurz gesagt; Interventionen, die das individuelle aber auch kollektive Verständnis zum öffentlichen Raum beeinflussen. Mehr Platz für Menschen statt für Maschinen. Denn unsere Mobilität wird nicht lahmgelegt, wenn wir das Auto stehen lassen. Vielmehr fordert es uns auf nach Alternativen zu suchen und eröffnet neue Möglichkeiten. Was wir brauchen, sind neue konsumfreie Begegnungsräume und die Umwandlung des öffentlichen Raumes in einen öffentlichen Aufenthaltsraum.

Vielleicht ist es in der Corona-Zeit geboren worden, das 1,5 Meter-Design und bestenfalls gibt es uns Mut Neues auszuprobieren. Denn manchmal müssen wir raus aus der Komfortzone um zu merken, dass eine Alternative viel komfortabler ist, als vermutet.

Von neuen und alten Normalitäten in Graz

Gedanken zum Freiraum von Mitarbeiterinnen des Instituts für Städtebau der TU Graz

Gastbeitrag von Eva Schwab und Sabine Bauer

(Teil 1 von 2)

Gehsteige vermessen

Der Kreis beginnt sich zu schließen. Wir waren betroffen von den täglich steigenden Infektionszahlen, sind durch die Isolation gegangen und haben das Homeoffice gemeistert, haben die ersten Lockerungen erlebt und können nun – nach den aktuellen Ankündigungen der österreichischen Bundesregierung, die Maskenpflicht und Ausgangsreglementierungen weitgehend aufheben – berechtigterweise vom baldigen Beginn der vielfach herauf beschworenen „neuen“ Normalität träumen.

Wie wird sie nun aussehen, diese neue Normalität? Die Erfahrungen aus den ersten Lockerungen lassen die vielfältigen Argumente, warum die Covid-19 Krise die Chance auf gesellschaftliche Veränderungen hin zu mehr Nachhaltigkeit beinhaltet (nur als Beispiele seien genannt: Die Welt nach Corona, Drei Krisen gleichzeitig) gelinde gesagt ambitioniert erscheinen.

Die Möglichkeitsfenster, die während der Zeit der eingeschränkten Mobilität im Lockdown offen standen und dem Straßenraum eine neue Bedeutung und neue Nutzbarkeit als öffentlicher Freiraum gaben, mussten mit dem erneuten Anstieg des motorisierten Individualverkehrs (MIV) wieder geschlossen werden.

Menschenmassen stauten sich, um endlich wieder in Möbelhäusern und Baumärkten einkaufen zu können, Automassen wälzten sich über die entsprechenden Zufahrtsstraßen.

Ist daran etwas anders als an jedem normalen Samstag vor Corona?

Etwas anders sieht die Situation in der Innenstadt aus. Abseits der großzügig angelegten Einkaufsstraßen bemühen sich Menschen, auf den schmalen Gehsteigen Abstands- und Verkehrsregeln gleichermaßen einzuhalten – und scheitern entweder an dem einen oder dem anderen. Geschäftsinhaber*innen versuchen, unter Einhaltung der Abstandsregelung den Kund*innen einen angenehmen Einkauf zu ermöglichen und verlegen Ein- und Ausgänge oder markieren Wartezonen. Café-Betreiber*innen versuchen die optimale Verteilung ihrer Sitzgelegenheiten in den Schanigärten zu finden, um zumindest das Potential für genügend Umsatz zu schaffen. Und immer wieder merkt man: Das geht sich nicht aus! Der Raum in seiner derzeitigen Aufteilung reicht nicht aus, um den vielfältigen Anforderungen an ihn gerecht zu werden.

Aber dass Raum der wahre Luxus ist, wissen wir nicht erst seit der Corona Pandemie. Sie hat uns nur wieder einmal eindrücklich die ungleiche Verteilung und Zugänglichkeit der Ressource Raum in unseren Städten vor Augen geführt und sehr nachvollziehbar aufgezeigt, wie viel ausreichend (Frei)Raum mit körperlicher und seelischer Gesundheit zu tun hat.

Befinden wir uns also auch diesbezüglich in einer alten Normalität? Die Ahnung einer neuen zeigt sich in den oben genannten Beispielen vor allem darin, dass die altbekannte Raumaufteilung nicht länger unhinterfragt akzeptiert wird. Mehr noch als vorher beginnt die Diskussion um die faire Verteilung des Freiraums geführt zu werden. Die Erfahrungen der letzten Wochen motivieren Nutzer*innen auf der Suche nach Möglichkeiten, ein gutes urbanes Leben für alle zu schaffen, auch heilige Kühe wie die Priorisierung des MIV und die Selbstverständlichkeit des ruhenden Verkehrs im öffentlichen Raum zumindest diskursiv zu hinterfragen.

In diesen Auseinandersetzungen sehen wir die Ansprüche an den öffentlichen Freiraum wachsen. Er soll qualitativ hochwertig gestalteter Raum für urbanes Leben sein und trotzdem weiterhin tradierten Vorstellungen von Mobilität genüge tun – am besten mit Auto-Stellplätzen für alle direkt vor dem Haus oder dem Geschäft. Noch ist nicht klar, ob dieses Patt in der Prioritätenreihung durch die Erfahrung der letzten Wochen beeinflusst wird, in denen viele aufgrund des Lockdowns die Ruhe und den Platz auf den innerstädtischen Straßen genossen haben. Wir beobachten zumindest mit Interesse, wie Fragen der aktiven Mobilität und des öffentlichen Raums unter dem Eindruck der Corona-Krise Aufwind erfahren.

Ein Beispiel für das wachsende Interesse an diesen Diskussionen bildet die Masterarbeit von Daniela Mrazek, in der sie sich dem Gehen in der Stadt widmet. Sie hat dafür die Grazer Gehwege vermessen und diese dann in zwei Gruppen geteilt: diejenigen, die eine in der ÖNORM B1600 festgeschriebene Mindestbreite für Gehsteige von 1,50 m aufweisen, und diejenigen, die diese Anforderung nicht erfüllen. Das Ergebnis hat in Zeiten der COVID-19 Pandemie eine neue Bedeutung bekommen: Es handelt sich um eine Karte der Stadt Graz, in der gekennzeichnet ist, welche Gehsteige nicht genug Platz bieten, um den geforderten Mindestabstand von 1-1,50 m im Vorbeigehen einzuhalten. Das Facebook-Posting des Instituts für Städtebau zu diesem Thema wurde innerhalb kürzester Zeit um ein Vielfaches häufiger geliked und geteilt als Postings zu anderen Masterarbeiten. Auch die lokale Presse hat über die Erkenntnisse aus Daniela Mrazeks Arbeit berichtet.

(Abbildung 09.06.2020: Facebook, Institut für Städtebau TU Graz)
(Abbildung 09.05.2020: Kleine Zeitung Steiermark)

Das Thema der fußgängerfreundlichen Gestaltung und Nutzbarkeit des öffentlichen Raums ist also im Kontext der Pandemie wieder stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt und die Diskussion darüber wird hoffentlich noch lange Zeit ein Teil der neuen Normalität bleiben. Doch inwiefern sind auch die Anforderungen, die wir an den Raum stellen, neu?

Hier geht es zu Teil 2…

Von neuen und alten Normalitäten in Graz

Gedanken zum Freiraum von Mitarbeiterinnen des Instituts für Städtebau der TU Graz

Gastbeitrag von Eva Schwab und Sabine Bauer

(Teil 2 von 2)

Straßenraum neu verteilen

Dazu ein paar Gedanken aus zwei unserer Lehrveranstaltungen im laufenden Semester, die sich anhand des Beispiels Zinzendorfgasse mit der Neuorganisation des Verkehrs und der Umgestaltung des innerstädtischen Straßenraums beschäftigen.

Die Grazer Zinzendorfgasse liegt in unmittelbarer Nähe der Karl-Franzens-Universität (der größten Grazer Universität). Sie besitzt eine kleinteilige Struktur von Geschäften und Lokalen und lebt von der großen Zahl an Studierenden, für die sie eine wichtige Verbindung zwischen der Universität und dem Stadtpark bzw. der Innenstadt darstellt. Außerhalb der Semester ist die Nutzer*innen-Frequenz allerdings deutlich geringer, wodurch die Geschäftstreibenden vor eine große Herausforderung gestellt werden, die sich auch in Leerständen manifestiert. Parkende Autos begrenzen den verfügbaren Raum in der schmalen Straße außerdem stark und verringern sowohl den nutzbaren Bewegungs- als auch (kommerziellen und konsumfreien) Aufenthaltsraum.

Die Zinzendorfgasse letzten Herbst. (Foto: Martin Grabner)
Die Zinzendorfgasse während des Lockdowns. (Foto: Viktoriya Yeretska)

Der Verein Zinzengrinsen, der aus Geschäftstreibenden der Straße und Anrainer*innen besteht, setzt sich seit einiger Zeit für eine Umgestaltung ein. Er arbeitet mittlerweile mit der Grazer Stadt- und Verkehrsplanung und einem lokalen Architekturbüro zusammen und ist an das Institut für Städtebau mit der Bitte herangetreten, ihn bei der Umgestaltung ihrer Straße zu einer Slow Street mit urbanen Qualitäten zu unterstützen.

Wir wollten dieser Bitte mit einem einwöchigen Workshop und einer Projektübung nachkommen, als mit Semesterbeginn die Krise mit all ihren Schwierigkeiten und Chancen wirksam wurde. So entschieden wir uns, den Workshop dem Thema des Physical Distancing (also der Schaffung von Voraussetzungen für körperliches Abstand halten, ohne das Erzeugen von Social Distancing) zu widmen.

Die Studierenden des Workshops haben dabei den Status Quo erhoben und ihn den (alten und neuen) Anforderungen gegenübergestellt. Schließlich wurden Vorschläge für eine (mehr oder minder) temporäre Adaption der Straße erarbeitet, die Einkaufen, Ausgehen und kulturelle Veranstaltungen unter Einhaltung der nötigen Abstandsregeln ermöglichen können. Dass damit mehr Raum von Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und für den Aufenthalt in Anspruch genommen werden muss und dass dieser Raum nur unter Einschränkung des MIV verfügbar werden kann, ging aus der Analyse eindeutig hervor. Ebenso zog sich die Erkenntnis, dass diese Umverteilung die Chance mit sich bringt die Straße grundlegend neu zu denken und zu gestalten, wie ein roter Faden durch alle Arbeiten. (Details zur Lehrveranstaltung)

(Darstellungen: Jago Trelawny-Vernon)

Die Studierenden in der Projektübung arbeiten währenddessen an einem Konzept zur langfristigen Umgestaltung der Straße und einiger Erdgeschoss-Lokale, um der Nutzer*innensaisonalität zu begegnen und die Straße für vielfältige Gruppen interessant zu machen. Die Stärkung der unterschiedlichen Teilräume und ihrer Atmosphären sowie die Reduktion des ruhenden Verkehrs ist allen unterschiedlichen Studierendenprojekten gemeinsam. (Details zur Lehrveranstaltung)

(Darstellung: Dina Sauer und Paula Möller)

Betrachtet man nun diese beiden Ergebnisse, fällt schnell auf, dass sie sich bezüglich der Raumaufteilung nicht wesentlich unterscheiden. Sowohl bei der Entwicklung von kurz- als auch langfristiger Gestaltung zeigt sich, dass die gewünschte Erhöhung der urbanen Qualitäten mit breiteren, multifunktionalen Aufenthalts- und Bewegungsflächen nur durch eine Reduktion der Flächen für ruhenden Verkehr erreichbar ist. Damit sich Menschen sicher und frei bewegen sowie aufhalten können, braucht es nicht nur gute Gestaltung, es braucht auch entsprechend verfügbaren Raum. Für die Zinzendorfgasse kann also abgeleitet werden, dass gute Gestaltung eines menschenfreundlichen Raums nicht nur die kompakte Stadt der kurzen Wege unterstützt sondern gleichzeitig Physical Distancing ermöglicht bzw. vereinfacht.

Verallgemeinert könnte man sagen, dass gut gestalteter und vielfältig nutzbarer urbaner Raum menschlichen Maßstabs krisensicher ist – resilient, wie man es fachgerecht ausdrückt. Unsere Städte brauchen keine speziellen urbanen Räume, die COVID-19 sicher sind, sie brauchen qualitätsvolle Freiräume, die vielfache Nutzungen zulassen, die ökologische Kreisläufe fördern, in denen aktive Mobilität möglich ist und deren aktive Erdgeschosszonen Leben und Arbeiten in der Stadt unterstützen.

Der Verein Zinzengrinsen hat die Ergebnisse unserer Lehrveranstaltungen mit großem Interesse aufgenommen. Ob sie tatsächlich eine Umsetzung erfahren werden?

Auf Basis der aktuellen Verkehrsentwicklungen (also post-lockdown) kann man die Befürchtung entwickeln, dass die Fixierung auf das Auto als die primäre Mobilitätsform nach der Krise ungebrochen bleiben, oder sogar noch stärker werden könnte. Sollten sich die Fahrgastzahlen des unter der Pandemie stark in Mitleidenschaft gezogenen öffentlichen Nahverkehrs nicht wieder stabilisieren, besteht einerseits die Hoffnung, dass ehemalige Öffi-Fahrer*innen sich zukünftig aktiv mit dem Rad oder zu Fuß fortbewegen. Andererseits steht dem aber die Befürchtung gegenüber, dass sich eben diese zukünftig häufiger für den privaten PKW entscheiden. Das Bild des Autos als sicherer, privater Raum könnte durch die Angst vor COVID-19 zusätzlich gestärkt, und der Kampf um den öffentlichen (Verkehrs)Raum noch unerbittlicher werden.

An dieser Stellen geben einander neue und alte Normalität in Graz die Hand und der Kreis schließt sich tatsächlich: Wer traut sich, dem menschengerechten öffentlichen Freiraum den Vorrang zu geben?

Hier geht es zu Teil 1 des Beitrages…

Temporäre Spielstraßen

(Foto 10.05.2020: Stefanie Hennecke)

Beitrag von Stefanie Hennecke

Seit Anfang Mai können im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg an Sonntagen Straßen temporär für den Autoverkehr gesperrt werden, um während der pandemiebedingten Einschränkungen zusätzliche wohnungsnahe Freiräume in dicht bewohnten und mit Freiräumen unterversorgten Stadtquartieren anbieten zu können. Für eine Testphase bis Mitte Juni können in diesem Bezirk 19 solcher temporärer Spielstraßen von interessierten Anwohner*innen beantragt werden, inzwischen ermöglichen auch andere Bezirke wie Neukölln oder Pankow diese Möglichkeiten. Bedingung für die Genehmigung ist, dass sich ausreichend freiwillige Helfer*innen als „Kiezlots*innen“ dazu bereit erklären, ehrenamtlich die Straßensperrung zu überwachen.

Für die Zeit der Sperrung ist die Durchfahrt für Autos aber auch für Fahrräder nicht erlaubt. Bereits in den gesperrten Straßenabschnitten parkende Autos können begleitet von den Kiezlots*innen bei Bedarf wegfahren.

(Fotos 10.05.2020: Stefanie Hennecke)

Nach den Pop-up-Radwegen ist diese Möglichkeit der temporären Spielstraße ein zweiter Schritt, wie Berliner Bezirke die Umverteilung des Straßenraums aktiv vorantreiben. In einer dritten Stufe ist seit dem letzten Maiwochenende auf Antrag die temporäre Sperrung von Straßenteilstücken für ein Wochenende auch dann möglich, wenn sich Gastronomiebetreibende zusammenschließen und gemeinsam beantragen, Bürgersteig und Fahrbahn für die Außenbestuhlung nutzen zu wollen.

Die Umverteilung des Straßenraums in Berlin ist auch Gegenstand einer wissenschaftlichen Studie der TU Berlin und des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), die die ethischen Aspekte dieser Frage beleuchtet und an verschiedenen Beispiel-Szenarien für Berliner Straßen diskutiert.

Beim Besuch einer temporären Spielstraße nähe Südstern in Berlin am 10.5.2020 fielen mir zwei freiraumplanerisch relevante Aspekte ins Auge:

Delegation an Freiwillige

Die temporären Spielstraßen stehen und fallen mit der Bereitschaft ehrenamtlicher Helfer*innen, ihre Freizeit in Warnwesten an Straßenabsperrungen zu verbringen. Weder Polizei- noch Ordnungsamtkräfte waren vor Ort, um den Verkehrsversuch zu regulieren. Damit steht das Projekt auf sehr wackeligen Füßen und trägt den Charakter eines Zugeständnisses der Stadtverwaltung an einige Aktive. Eine politische Wende in der urbanen Verkehrspolitik manifestiert sich darin noch nicht. Ein weiteres Detail macht die Tendenz deutlich, die Sorge und Aushandlung um die Nutzung um den öffentlichen wohnungsnahen Freiraum als Angelegenheit der Anwohner*innen zu verstehen. Für die Zeit der temporären Sperrung wurde den Kiezlots*innen auch ein Schlüssel für die Öffnung von Hydranten überlassen, so dass Anwohner*innen die Gelegenheit nutzen konnten, Straßenbäume und öffentliche Freiflächen selbst zu wässern. Auch die öffentliche Pflege wird so in die Freiwilligkeit hineindelegiert.

(Foto 10.05.2020: Stefanie Hennecke)

Konflikt Fuß- und Radverkehr

Die Kiezlots*innen berichteten, dass die größten Konflikte mit Radfahrer*innen ausgetragen werden mussten, die sich weigerten, in der temporär gesperrten Zone vom Fahrrad abzusteigen und zu schieben. Offenbar fühlt man sich als Radfahrer*in intuitiv auf der Seite der „Guten“ in der Verkehrswendediskussion und sieht sich von Verkehrsversuchen zu Gunsten des Spiel- und Fußverkehrsnutzung nicht angesprochen. Ich habe dieses Phänomen an mir selber festgestellt, als ich zunächst ganz selbstverständlich in die Spielstraße hineingeradelt bin. Das unbeschwerte Kreuz- und Querrennen zwischen Hauszugang und Fahrbahn vor allem von Kindern ist aber nur möglich, wenn kein schneller Querungsverkehr, auch nicht von Fahrrädern, zur Gefahr wird. Erst unter dieser Bedingung kann der neue Freiraum Straße in ähnlicher Weise wie eine Wiese im Park genutzt werden.

Dass das Miteinander von Fuß- und Radverkehr im enger werdenden urbanen Straßenraum zu Konflikten führt, ist offensichtlich und wird z. B. vom Interessenverband des Fußverkehrs Fuß e.V. intensiv thematisiert. Die Aushandlung zwischen den verschiedenen Interessen aufgrund verschiedener Geschwindigkeiten muss geführt werden. Das kann aber immer nur in Relation zu dem sehr viel größeren und lebensgefährlicheren Konflikt zwischen Autoverkehr auf der einen und Fuß- und Radverkehr auf der anderen Seite diskutiert werden. Stünden in den Spielstraßen keine überdimensionierten und damit die Sicht behindernden Autos herum, wäre die Gefahr nämlich sehr viel geringer, dass Fuß- und Radverkehre kollidieren. Auch in Parkanlagen kommt das nur selten vor. 

Abstand oder: Das Gefühl für die Distanz

(Foto: Michael Strobl)

Gastbeitrag von Matthias Seidel

Sehr bald, nachdem die Sars-Cov-2-Pandemie Mitteleuropa erreicht hatte, wurde klar: Sich einander nicht zu nahe zu kommen, Abstand zu halten, ist eine der wenigen gesicherten Möglichkeiten, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Als räumliches Maß dafür hat sich in Deutschland eine Distanz von 1,50 m durchgesetzt. Empfohlen waren anfangs kurzzeitig auch 2 m, während gleichzeitig etwa in dem schwer getroffenen Italien wie auch in Österreich 1 m für ausreichend gehalten wurden. Doch hat man sich gesellschaftlich erst einmal auf ein Maß geeinigt, stellt sich tagtäglich die Frage der Umsetzung: Wie kann die Einhaltung dieser Abstandsregeln in der Praxis gelingen? Woran kann jede*r Einzelne sich denn orientieren, um das rechte Maß zu erreichen und dann zu halten? 

Diese Fragen haben mittlerweile insbesondere Ladenbesitzer, im Zuge der schrittweisen Wiederöffnung ihrer Geschäfte, mit Markierungen auf dem Boden beantwortet. Dabei wird jedoch entsprechend dieser spezifischen Situationen immer linear operiert: für eine Reihe von Menschen, die sich geduldig anstellen und dabei einander nicht zu nahe kommen sollen. Was aber ist in der Fläche? Und gar im Raum? 

Aus ganz eigenem Erleben drängten sich mir diese Fragen schon sehr bald auf. Denn trotz des Beginns des Lockdown in Deutschland konnte ich weiterhin einen Vorteil der Erdgeschosszone in Berliner Straßen nutzen – nämlich das Arbeiten am Rande des öffentlichen Raums, quasi auf dem Gehweg. Das hat in jahrelanger Praxis insgesamt zu ganz eigenen Erfahrungen geführt, ist nochmal deutlich anders als Home-Office auf dem eigenen Balkon [wie z. B. im Beitrag von Johanna Niesen zu diesem Blog vom 12. Mai 2020 erwähnt], und könnte an sich den Stoff für einen eigenen Text zu sozialer Kontaktaufnahme und Kontaktpflege aber auch zu Konflikten und Problemlagen des Zusammenlebens im städtischen Raum und Alltag hergeben. 

Für den hier relevanten aktuellen Zusammenhang aber ist die Beobachtung ausschlaggebend, die ich alltäglich vor meinem schon seit Anfang März geschlossenen Ladenlokal machen konnte: Eindeutig ist, dass es den Passant*innen an Erfahrungswerten für Distanzen schlicht fehlt. Kaum eine*r hatte ein „Gefühl“ dafür, was 1,50 m Abstand für räumliches Sich-begegnen tatsächlich bedeutet. Jede*r, der sich mit dem Rad bewegt, hat das leidvoll verinnerlicht, angesichts viel zu nah vorbeirasender PKW und LKW [wo mittlerweile innerorts 1,50 m Abstand vorgeschrieben sind, siehe die jüngste StVO Novelle]. Aber als Fußgänger*in waren solche Distanzgebote im bisherigen Leben gar nicht existent – und sind daher auch nicht erlernt oder eingeübt worden. In den vor Ort geführten Gesprächen mit Nachbar*innen oder Bekannten habe ich das eine oder andere Mal die jeweiligen Einschätzungen mithilfe eines Maßbands oder Zollstocks überprüft. Es ergab sich, dass die meisten 1,50 m wie 2 m empfanden, gemessene 2 m sogar eher wie deren 3…

So ist die Idee entstanden, eine Visualisierung in Form einer Urban Intervention mit minimalen Mitteln vor dem eigenen Arbeits- und Lebensraum anzulegen: Das „Social-Distancing-Grid“. Um eine Orientierung zu bieten, die in alle drei Raumdimensionen greift, wählte ich das Mittel des Rasters: Durch weiße Kreuze aus textilem Klebeband habe ich entlang der Ladenfront sowie in Richtung Bordstein jeweils das Maß von 1,50 m markiert, gemessen von Kreuzungspunkt zu Kreuzungspunkt. So sind 12 Felder [à jeweils 2,25 m²] entstanden. Zusätzlich habe ich das Raster an einer Stelle um ein Kreuz auf 1,50 m Höhe ergänzt. Die Möglichkeit dazu bietet sich an der Straßenlaterne: Sie hat genau 3 m Abstand von der Fassade, sodass sie einen Verweis auf die dritte Dimension passgenau aufnehmen kann. Das Maß auch in die Höhe abzutragen, ist im Umfeld von zu Fuß Gehenden in der Tat auch von Bedeutung: Denn es kommt eben nicht nur im Gespräch mit einem Gegenüber vor – quasi auf Augenhöhe – dass man z.B. feuchter ausspricht, als es einem lieb ist. Für den auf dem Sims des bodentiefen Schaufensters Sitzenden zählt auch, in welcher Höhe die verstärkt vorbeitrabenden [Neo-]Jogger*innen ihre diversen Tröpfchen und Aerosole unwillkürlich absondern. Es wird dabei klar: Der Unterschied von Sitz- zu Laufhöhe ist deutlich zu gering, hinsichtlich des empfohlenen Mindestabstands…

Wie in einer Plangrafik hätte ich nun die Maße auf dem Pflaster eintragen können, um das Verständnis und eine leichtere Zugänglichkeit zur Absicht des Rasterfelds bei den Vorbeigehenden zu fördern. Dabei hätte ich auch noch den Abstand von 2,12 m leicht zeigen können, diagonal von Punkt zu Punkt: Denn bei 1,50 m Seitenlänge ist das dann jener mathematisch leicht zu ermittelnde Abstand [1,5 x 1,41 (Wurzel aus 2) = 2,12]. Doch zugunsten einer weniger didaktischen und vielmehr auf dialogische Erklärungen ausgerichteten Herangehensweise habe ich darauf verzichtet. Zudem erzeugt das Rasterfeld ohne Beschriftung eine leicht rätselhafte Anmutung – und steigert dessen Wirkung eher noch. Nicht zu vergessen, dass sich so auch ein Verweis auf Inhalte ergibt, die es normalerweise hinter der Ladentür zu entdecken gibt: drj art projects ist ein Ausstellungsraum für konzeptuelle und minimale Kunst + Architektur.

So hat das Rasterfeld zudem auch eine perspektivische Funktion für künftige Ausstellungseröffnungen oder dergleichen: Bei Zusammenkünften kleiner bis mittelgroßer Gruppen von Besucher*innen werden sich alle, die sich dann im Freien versammeln, leicht vergegenwärtigen können, welchen Abstand einzuhalten eigentlich sinnvoll ist – selbst wenn das allgemeine Bewusstsein dafür im Alltag derzeit bereits wieder zu verschwinden scheint.