Müll im Freiraum

Beitrag von Stefanie Hennecke

Die Schließung der Mensen, Kantinen, Restaurants, Bars und Cafés während des Lockdowns in Deutschland führte zu Umsatzsteigerungen in den Lebensmittelläden und zu Engpässen etwa bei Mehl und Hefe. Diejenigen, die nicht zu Hause backen und kochen wollten, nutzten den Außerhausverkauf, den von Tag zu Tag mehr Läden anboten. Erlaubt war die Abgabe von Essen und Getränken allerdings nur in Einwegverpackungen oder Pfandbehältern. Auch das gemeinsame Trinken auf dem Bürgersteig wurde mit dem schöner werdenden Wetter und der Länge der Schließungen immer beliebter. Für den Freiraum hatte das zur Folge, dass der liegen gelassene Müll auf den Straßen und in den Grünanlagen schlagartig zunahm und die vorhandenen Papierkörbe nicht mehr ausreichten. Nach einigen Wochen wurden notdürftig zusätzliche Säcke an den Mülleimern angebracht.

Alle Denkrichtungen, zu denen einen diese Fotos verleiten, sind ähnlich trostlos:

  • Welche Ignoranz bewegt Menschen dazu, Ihren Müll einfach im Park oder auf der Straße liegen zu lassen?
  • Welche verquere Idee von Barmherzigkeit steckt hinter der Geste, sein leeres Pfandgut auf der Straße oder im Park zu „spenden“?
  • Warum gelingt es in einem fortschrittlichen Land voller Stolz auf seine hochkulturelle und wissenschaftliche Tradition nicht, die Flut an Einwegverpackungen intelligent zu bändigen? (Siehe dazu die Kritik des Präsidenten des Verbands der Entsorgungswirtschaft im Tagesspiegel)
  • Warum gelingt es in einem wohlhabenden Land nicht, die dringend benötigten Freiräume mit einem durchweg hohen Pflegestandard – wozu auch eine gut funktionierende Müllentsorgung gehörte – instand zu halten?

(Fotos April 2020: Stefanie Hennecke)