Public Space & Public Life during COVID 19

Public Space & Public Life during COVID 19 (Screenshot from https://covid19.gehlpeople.com/)

Der dänische Architekt und Stadtplaner Jan Gehl erlangte mit seiner Betrachtung des menschlichen Maßstabes in der gebauten Umwelt weitreichende Popularität. In seinen Buchpublikationen „Cities for People“, „Life between Buildings“ oder „How to study Puplic Life” widmet sich Gehl der Betrachtung von einzelnen Personen oder Personengruppen im städtischen Lebensräumen und deckt Missstände oder Probleme auf. Er zeigt Diskrepanzen zwischen ursprünglich gedachten Verwendungszwecken oder Entwurfsintentionen sowie der tatsächlichen Nutzung auf. Dabei verfolgt Gehl nicht nur das Ziel der Verbesserung von städtebaulicher Infrastruktur und deren Nutzbarkeit für Fahrradfahrer und Spaziergänger, sondern steht auch für mehr Lebensqualität und die Entwicklung von neuen Planungs- und Entwurfsmethoden ein. In seinem Film „The Human Scale“ zeigt er einerseits städtebaulichen Irrwege auf, welche negativ auf die Stadtbevölkerung zurückwirken, und fordert andererseits die Entwicklung eines neuen Werkzeugkoffers für planerische Disziplinen, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden. Gehl arbeitet dabei mit seinem Team an der Schnittstelle zwischen Umweltpsychologie, Soziologie sowie Planung und Architektur um ein besseres Verständnis vom Leben in der Stadt zu erlangen.


Die COVID-19 Pandemie wird von Gehl und seinem Team ebenfalls als Chance begriffen, die Nutzung des öffentlichen Raumes mit dem entwickelten Methodenkoffer unter veränderten Rahmenbedingungen zu untersuchen. Dazu wurde ein Bericht veröffentlicht, welcher im Gegensatz zu den Stimmungsbildern der medialen Berichterstattung auf konkreten empirischen Beobachtungen aufbaut. Es wurden vier Städte in Dänemark für die Untersuchung ausgewählt und mit Hilfe von 60 WissenschaftlerInnen die Nutzung und das Leben im öffentlichen Raum während der Corona Zeit dokumentiert. Für die Untersuchung wurden zwei zentrale Arbeitsfragen formuliert:

  • Werden sich die Dinge wieder normalisieren?
  • Werden die Dinge, welche wir in der Corona Zeit tun, Teil einer „neuen Normalität“ werden.

Die Ergebnisse werden anhand von Snapshots vorgestellt, welche als Themenraster für die beobachten Veränderungen fungieren. Dies umfasst zum Beispiel die Verringerung von Aktivitäten im Öffentlichen Raum, eine Zuwendung zu Erholungsnutzung und Spieleaktivitäten, dem Auftreten von neuen Nutzungsgruppen oder auch neuen Nutzungsformen.  Anhand dieser strukturierten Betrachtung und dem Vergleich zwischen verschiedenen Städten wird deutlich, dass sich verschiedenen Einzelbefunde beobachten lassen und zum Teil auch gegensätzliche Raumnutzungstendenzen während der Pandemie vorliegen. So ist in manchen Freiräumen keine Veränderung zu beobachten, während sich in anderen Untersuchungsgebieten sowohl neue Nutzungsformen als auch neue Nutzergruppen etablieren.

Der vollständige Bericht kann aufgrund seiner Feinkörnigkeit, der innovativen Visualisierung von Raumnutzungsveränderungen und der Strukturierung als wertvoller Beitrag zur Diskussion um den Freiraum in der Krise betrachtet werden.